Das Entzünden von Räucherwerk gehört zu den ältesten rituellen Praktiken der Menschheit. Durch den sich ausbreiteten Rauch von entzündetem Harz, Hölzern, Blättern und Blüten versetzten sich die Priester und Seher der frühen Kulturen in Ekstase. So gelang ihnen der Kontakt zu ihren Göttern, die Austreibung von bösen Geistern oder auch ein Blick in die Zukunft.

Das Räucherwerk, und damit ist hauptsächlich der echte Weihrauch gemeint, wurde auch für viele andere Zwecke genutzt. Gebäude wurden geweiht, Kranke kuriert und magische Rituale gefeiert. Viele spirituelle Kulturhandlungen profitierten vom köstlichen Geruch des Weihrauchs. Doch der echte Weihrauch, auch Olibanum genannt, war nicht die einzige Räucherzutat. Duftende Gewächse, Harze, Wurzeln und sogar Tiere wurden dem Rauch geopfert, wenn auch nicht alle für dessen aufsteigenden Duft. Berauschende und Halluzinogene Pflanzen und Harze bildeten häufig die Basis für eine Räuchermischung, denen noch wohlriechende Kräuter beigesetzt wurden.

 

In unserer heutigen Welt ist die Kunst um das Räuchern oftmals verloren gegangen. Fertige Mischungen werden einfach im Laden gekauft, ohne zu wissen, wie sich die einzelnen Kräuter entfalten und welche Wirkung sie auf unsere Sinne haben. Das Räucherwerk unspirituell auf ein Stövchen gelegt, „damit es gut duftet“, ist nicht der echte Sinn und Zweck einer Räucherung.

Der Rauch ist das Medium. Mit seiner Hilfe entfaltet sich die Wirkung der Hölzer, Wurzeln und Pflanzen. Wichtig dabei ist, dass du das Räucherwerk auf glühende Kohlen legst. Das Räucherwerk muss sich mit dem Feuer verbinden, um seine ganze Kraft freizulassen. Nur so entfaltet sich, außer einem angenehmen Geruch, seine volle Wirkung.

 

Dieser Räucherleitfaden soll dir dabei helfen, ein Gespür für das Räuchern zu entwickeln. Ich möchte dir eine Anleitung zum richtigen Entzünden der Kohle geben. Wie viel du auf die Kohle geben solltest und welches Räucherwerk wann angemessen ist.

 

Bevor du beginnst, mache dir klar, welche Intention du beim Räuchern hast. Denn du möchtest nicht nur den Duft, sondern auch den Geist im Rauch.

Willst du dein Haus oder deine Wohnung von Vorbesitzern reinigen, oder ein Ritual feiern? Willst du deine Wohnung duftend auf den Winter vorbereiten oder willst du die Raunächte mit ihren Geistern besänftigen?

Wenn du diese Frage für dich beantwortet hast, dann ergibt sich daraus gleich die nächste Frage: Welche Räucherstoffe oder Mischung verwendest du? Du kannst, je nach Verwendungszweck, entweder nur eine bestimmte Pflanze verräuchern, die dann klar und unverfälscht im Raum steht. Du kannst aber auch eine Mischung aus verschiedenen Harzen und Pflanzen räuchern. Die Beschreibungen der Räucherstoffe im Shop helfen dir bei deiner Auswahl.

 

Nimm dir genügend Zeit. Lege deine Räuchermischung nicht gehetzt auf, nur um dann gestresst darauf zu warten, dass endlich der beruhigende Rauch aufsteigt. Jedes Räucherwerk braucht seine eigene Zeit.

 

 

WAS BRAUCHST DU ZUM RÄUCHERN?

 

•   Eine feuerfeste Räucherschale; vorzugsweise handlich geformt, damit du mit ihr den Raum

​abschreiten kannst, falls das notwendig ist

•   Gereinigten Sand, um die Schale zu füllen und die Kohle darauf abzulegen

•   Eine selbstzündende Räucherkohle

•   Streichhölzer

•   Kerze

•   Eine Räucherzange, um die glühende Kohle zu bewegen

•   Einen Räucherlöffel, um das Räucherwerk auf die Kohle zu legen

•   Ein Räucherwerk

•   Ein Räucherwedel oder eine Feder, um den Rauch sanft im Raum zu verteilen

•   Einen Mörser, um die größeren Stücke von Harzen und Pflanzen zu zerkleinern

 

 

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Zuerst füllst du die Schale ½ bis ¾ mit Sand. Danach hältst du die Räucherkohle mit der Zange über eine Flamme. Nimm dazu am besten die Kerze, dann hast du sowohl eine ruhige und feste Flamme, bei der du nicht darauf achten musst, sie rechtzeitig zu löschen, als auch eine angehnehme Lichtquelle, die dich bei deiner Räucherarbeit begleitet. Achte darauf, dass die Kante der Kohle in die Flamme zeigt. Es entfacht ein Glutfunke, der langsam durch die Kohle läuft. Dieser „Funkenfaden“ läuft entlang der Kohle. Lege die glühende Kohle in die mit Sand gefüllte Schale. Es funkt und zischelt leise vor sich hin. Warte für ein paar Minuten, bis die schwarze Kohle rot glüht.

Ist sie durchgeglüht? Jetzt ist der richtige Moment gekommen.

 

BITTE BEACHTE EIN PAAR DINGE.

 

Wenn die Kohle noch rot glüht, ohne dass sich eine Ascheschicht auf ihr gebildet hat, ist sie noch sehr heiß. Die Kohle wird ca. 800 Grad heiß. Sehr feine Räucherstoffe verbrennen direkt, ohne dass sich ihr Duft wirklich verbreiten kann. Deshalb solltest du jetzt nur widerstandsfähige Stoffe auflegen. Wurzeln, Hölzer und Rinden, sowie alle Stoffe, die bei Raumtemperatur fast bis gar nicht duften, sind dafür geeignet.

Das sind zum Beispiel Alantwurzel, Enzianwurzel, sowie Birkenrinde.

 

Wenn die Kohle etwas länger steht, bildet sich auf ihr eine gräulich-weiße Ascheschicht. Diese Schicht zeigt dir, dass die Kohle bereit für feineres Räucherwerk ist. Blätter oder Harze sind empfindliche Stoffe und können jetzt ihr Aroma im Raum entfalten, ohne sofort zu verbrennen.

Hierzu zählen alle Harze wie beispielsweise Olibanum (Das Harz des Boswellia Baumes- der echte Weihrauch) und alle Blätter wie Pfefferminze, Niem oder Lindenblätter.

 

Sobald die Kohle eine feine weiße Ascheschicht bildet, kannst du Mithilfe von etwas Sand die Hitze abmildern. Dafür streust du ein wenig Sand auf die Kohle und kannst jetzt alle feinen Stoffe wie Blüten auflegen. Die Zeit für Rosen- und Jasminblüten, Eibischblüten oder sehr empfindliche und teure Harze (wie zum Beispiel Mastix – das Harz des Pistazienbaumes) ist jetzt gekommen.

 

Wie viel Räucherwerk du auf die Kohle geben solltest ist immer abhängig von deiner Räuchermischung. Dafür wirst du mit der Zeit auch ein Gefühl entwickeln. Gemeinhin gilt, je mehr Harze und Holz in einer Mischung enthalten sind, desto mehr kannst du auf einmal auf die Kohle geben. Hast du ein Räucherwerk, das beispielsweise hauptsächlich aus Harzen besteht, dann kannst du gleich einen Teelöffel auf die glühende Kohle geben – so viel, bis die Kohle komplett bedeckt ist. Da ein Holz oder ein Harz immer sehr lange Rauch und Duft von sich geben kann, können diese auch in größeren Mengen auf die Kohle gegeben werden. Eher „feinere“ und kurzlebigere Düfte, wie zum Beispiel von Blütenblättern halten sich nicht so lange auf der Kohle. Diese Stoffe sind sehr schnell zu Asche verbrannt. Daher ist es bei ihnen eher geraten, sie langsam auf die Kohle rieseln zu lassen, ein Fingerhut voll genügt. Sobald diese Menge dann keinen Rauch mehr von sich gibt, können die verkohlten Reste beiseitegeschoben und mehr aufgelegt werden.

 

Sobald die ersten Rauchfäden aufsteigen, hilft dir die Feder oder der Fächer, den Rauch im Raum zu verteilen. Wenn die Kohle zu früh erlischt, kannst du ein neues Stück einsetzen.

Doch nimm dir immer die Zeit und lass das Räucherwerk ganz abbrennen.

 

Und vergesse eins nicht: Das Wichtigste bei diesem Prozess ist stets – die Geduld.

 

 

Räucherleitfaden

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